Duttweiler


Dudostraße

Allein schon der Name ist einzigartig, einmalig auf der Welt. Während die Anwohner früher schlicht an der Hauptstraße wohnten, leben sie seit der Eingemeindung im Jahr 1974 an der Dudostraße. Wenigstens etwas hat sich positiv verändert. Die Straße musste umbenannt werden, weil es in Neustadt an der Weinstraße bereits eine Hauptstraße gab. Der Namensgeber ist Fürst Dudo, Gründer des mittlerweile bald 1050 Jahre alten Weindorfs. Dieser wiederum ist nicht einzigartig, auch im Saarland hat ein Fürst dieses Namens einst gelebt und dort das heutige Dudweiler gegründet. Auch diese stolze 30.000 Einwohner große ehemalige Bergmannssiedlung wurde nach Saarbrücken einverleibt, doch die beiden Namensvettern sind schon seit über 50 Jahren freundschaftlich verbunden. Uneins ist man sich aber über das Aussehen der Fürsten. Während die Saarländer in ihm eher einen lustigen Gesellen im Bärenfell sehen - ähnlich dem Comic-Wikinger Hägar - glauben die Pfälzer eher an einen Edelmann und stellten diesen bei verschiedenen Veranstaltungen auch so dar.
An der knapp 1000 Meter langen "Straße der Weingüter" sind bis auf zwei Ausnahmen alle Duttweiler Weingüter beheimatet, darunter mit dem Klostergut Bergdolt ein VDP-Weingut oder mit Christian Nett im Weingut Bergdolt-Reif und Nett einer der aufstrebensten Winzer der letzten Jahre, Mitglied u.a. der "Generation Riesling". Die anderen stehen aber nicht in ihrem Schatten. Viele Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben zieren die Weinstuben und Vinotheken von Momm, Kühborth-Sinn, Winkelmann, Syring-Lingenfelder, Rösch, Bossert, Spies oder Zöller-Lagas. Letztere beherbergt auch eine der zwei Straußwirtschaften des Dorfes. Vor allem in der Vorweihnachtszeit sind die Kochkünste von Ortrud Lagas - gleichzeitig auch Vorsitzende des Landfrauenvereins - gefragt, denn die urige "Gluggerstubb" ist in weitem Umkreis für ihr Martinsgans-Essen bekannt. Aber die rührige Familie um den Ex-Fußballvertragsamateur Patrick Lagas gehört auch zu den Pionieren der heute weit verbreiteten Straßenweinfeste. Stammgast dort ist übrigens Wolfagng Trapp - ehemaliger Fußballprofi mit Europapokal-Erfahrung und aktuller Trainer des Vfl Duttweiler.
Seit 1974 hat sich das im nächsten Jahr 70 Jahre alte Weinfest zu der heute bekannte Form entwickelt und ist immer noch ein gern besuchtes Fest, vor allem auch für die Gäste aus den anderen Patenstädten Pfungstadt in Hessen und Hockenheim in Baden. Es versteht sich von selbst, dass das "Weinfest der Freundschaft" entlang der Dudostraße gefeiert wird. Zu einem beliebten Treffpunkt für einen Absacker hat sich auch der Ausschank der "Raubritter vom Wiesental" entwickelt. In dem urigen Ambiente des Sektherstellers schmücken in langen Arbeitsstunden selbstgefertigte Kettenhemden die Wände. Standardmäßig wird der Sekt natürlich in handelsüblichen Flaschen verkauft und aus normalen Sektgläsern getrunken. Für die Gäste mit mehr Lust auf den prickelnden Genuss, bringen die Gschwindts Ihren Sekt aber auch schon mal mit dem Holzschubkarren in der 30-Liter-"Melchisedech"-Flasche vorbei. Passend dazu ein - bisher noch nicht nachgemessenes - etwa zehn Liter fassendes Glas. Übrigens ist in diesem Haus auch die Kultur-und Weinbotschafterin Judith Gschwindt beheimatet, die mit immer wieder anderen Führungen beweist, dass es auch in einem unter 1000 Einwohner kleinen Dorf interessantes zu entedecken gibt.
Neben dem Weinfest wird auch die Kerwe an der Dudostraße gefeiert. Montags wird als Höhepunkt der "Große Preis der Württembergische Versicherungen" ausgefahren. Bei den Fahrern ist das Rennen wegen der vielen Weinprämien beliebt, gleichzeitig aber auch wegen der anspruchsvollen Streckenführung berüchtigt. Die leicht abschüssige Dudostraße wird 25 mal komplett mit Geschwindigleiten bis zu 70km/h durchfahren. Da trennt sich schnell die Spreu vom Weizen und bei den ersten Fahrern gehen schon nach etwa zehn Runden die "Körner" aus. Überhaupt wird auf der Dudostraße gerne gefeiert. Im Vorfeld der SWR-Hammerdorf-Aktion vewandelte sich die Straße im Jahr 2008 in eine einzige Kaffetafel. Selbstredend steht das Wahrzeichen der Aktion, ein riesiger Hammer aus Rebholz immer noch am Ortseingang.
Genau in der Mitte des Dorfes liegt der Dorfplatz. Darauf sind die Duttweilerer besonders stolz. Im letzten Jahr gab es dort ein großes Abschlussfest, nachdem sich der Platz mit sehr viel Eigeninitiative von einem hässlichen Flecken in einen ansehnlichen Dorfmittelpunkt verwandelt hat. Federführend dazu beigetragen haben die Mitglieder des Ortsbeirats. Auch auf dieses Gremium sind die Duttweilerer stolz. Die zehn (inkl. Ortsvorsteher) Mitglieder scheren die Parteikürzel nicht, die in der Regel hinter ihren Namen stehen. Übergreifend wird zusammen gearbeitet, im Mittelpunkt stehen die Interessen des Dorfes, also der Bürgerinnen und Bürger. Das Gremium tagt im Gemeindehaus, der ehemaligen Volksschule, die 1965 gebaut wurde. Die Kinder weden längst in den Nachbarorten unterrichtet, aber vorher kommen sie in den Genuss der gerade frisch renovierten und großzügig ausgestatteten Kindertagesstätte, die sich ebenfalls in diesem Gebäude befindet. Genau so wie das Büro des Ortsvorstehers und die Steuerung der Ortsrufanlage - aber darüber wurde im SWR schon mehrfach berichtet. Außerdem werden Neuigkeiten immer noch in der Bäckerei Walter ausgetauscht. Das einzige Geschäft im Ort wird von den Zunftkollegen auch schon mal "Kaufhaus Walter" genannt. Sehr zur Freude der Duttweilerer gibt es neben Brot und Torten nämlich auch ein umfangreiches Sortiment von Waren für täglichen Gebrauch - vom Schulheft über Konserven, Tiefkühlwaren hin zu Putzmitteln und Mineralwasser - die von den Winzern gleich palettenweise abgefahren wird. Gegenüber der Bäckerei gibt es ein weiteres Beispiel für die große Bereitschaft zur Eigeninitiative: Die erst kürzlich abgeschlossene "schnellste Kirchenrenovierung der Pfalz" nannte der Architekt das Projekt. Am 10. September 2013 wurde mit den Arbeiten begonnen, am Heiligen Abend konnte der Weihnachtsgottesdienst in der noch nach frischer Farbe riechenden Kirche gefeiert werden. In der Zwischenzeit haben Handwerker und Ehrenamtliche Hand in Hand Beton herausgemeißelt, Sandsteinplatten verlagt, Holzböden erneuert, Heizungsregelung ausgetauscht, Lampen ausgewechselt, Bänke gekürzt und gestrichen sowie Wände gestrichen. Natürlich haben auch hier wieder die Bürger finanziell unterstützt - durch den symbolischen Kauf von Steinplatten und der Mitgliedschaft im Kirchbauverein. Die protestantische Kirche gehört auch zu den ausgewiesenen Kulturdenkmälern, ebenso wie die katholische Kirche mit der einzigartigen Emauskapelle, den Weingütern Bergdolt, Momm, Stöckel, Breitling und Bress sowie die Dudostraße selbst, der in dem Buch "Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz" ein eigenes Kapitel gewidmet ist
Im nächsten Jahr feiert Duttweiler sein 1050-jähriges Jubiläum. Die Dudostraße wird dann wieder im Mittelpunkt vieler Festivitäten stehen

Mehr zur Dudostraße unter static.duttweiler.de

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(Text geschrieben im Jahr 2014)